[me] im Gespräch mit ...

Patrick Stöber von Stöber

„Antriebe mit Kompetenzen gepimpt“

 

Einfach ist zu wenig. Als Systemanbieter der Antriebstechnik setzt Stöber auf mechatronisch und flexibel aufgebaute Lösungen. „Die einfache Motorenbaureihe ist uns zu wenig“, sagt Geschäftsführer Patrick Stöber im Gespräch mit der [me].

Herr Stöber, Sie haben kürzlich in einem Vortrag gesagt „ Wir sollten uns um die Zukunft sorgen“. Allerdings nicht im Sinne von „um die Zukunft Sorgen machen“, sondern vielmehr im Sinne „um die Zukunft kümmern“. Was bedeutet das konkret für Ihr Geschäft mit Antriebstechnik?

Stöber: Mit dieser Aussage habe ich vor allem auf die Unart eines leider nicht allzu kleinen Teils unserer Bevölkerung hinweisen wollen, das Glas „halbvoll“ statt „halbleer“ zu sehen. Zum Beispiel tendieren wir, was die aktuelle wirtschaftliche Situation angeht, leider meiner Meinung nach dazu zu schnell in Schwarzmalerei zu verfallen – und wenn das viele Marktteilnehmer tun, reden sie quasi eine düstere Zukunft herbei. Natürlich muss man realistisch sehen, dass wir immer wieder mit mehr oder weniger starken Schwächephasen umgehen müssen. Das wird aber immer so sein und deshalb macht es meiner Meinung nach mehr Sinn, sich „um die Zukunft zu kümmern“, als wie das Kaninchen vor der Schlange zu erstarren und das Schicksal über sich ergehen zu lassen. Konkret für unser Geschäft mit der Antriebstechnik haben wir beispielsweise während der schlimmen Krise in 2009 nicht einfach nur abgewartet bis sie vorüber ist, sondern konkret an Neuentwicklungen gearbeitet, die derzeit auf den Markt kommen und uns auch in zukünftig anstehenden – eventuell wieder dahergeredeten – Schwächephasen unterstützen.

Mit der Präsentation der neuen Servo-Spindelmotoren EZS und EZM hat Stöber die Fachwelt überrascht. Was steckt dahinter?

In der Antwort zur letzten Frage habe ich bereits auf neue Produkte von Stöber hingewiesen. Ein für uns in nächster Zeit elementar wichtiges Produkt, das in dieser Phase entstanden ist, ist unsere neue Servomotorenreihe, die in Bezug auf Leistung bei gleichzeitig unglaublicher Kompaktheit ihresgleichen sucht. Da man uns im Markt als Systemanbieter immer mehr wahrnimmt, haben wir es aber nicht bei einer „einfachen“ Motorenbaureihe belassen, sondern haben diese durch weitere Stöber Kompetenzen „gepimpt“ wie man so schön neudeutsch sagt. Neben den von Ihnen erwähnten Servo-Spindelmotoren, die Spindeln beliebiger Hersteller zum einen als angetriebene Spindel (EZS) und zum anderen als angetriebene Mutter (EZM) aufnehmen können, haben wir auch einen Hohlwellen-Servomotor und – eine Stöber Spezialität – einen hochkompakten Getriebemotor mit Hohlwelle entwickelt, der von außen nicht von einem Solomotor zu unterscheiden ist – diesen Antrieb nennen wir PipeDrive (PY).

Schon zur Hannover Messe haben Sie einen Flanschhohlwellenantrieb präsentiert. Wer oder was gibt den Takt für Ihre Innovationen vor?

Es gibt im Hause Stöber unterschiedliche Mechanismen/Prozesse Innovationen hervorzubringen. Der Markt und das Feedback unserer Kunden spielt dabei – und das ist heute unverzichtbar – eine gewichtige Rolle. Wir haben aber auch zusätzliche Prozesse installiert, in denen eher die Entwickler das Sagen haben. Damit wollen wir sicherstellen, dass wir auch in Zukunft Ideen vorantreiben und letztendlich zu attraktiven Produkten zu machen, von denen unsere Kunden heute noch gar nicht wissen, dass sie sie unbedingt brauchen, um selber im Wettbewerb ganz vorne bestehen zu können.

Mit dem neu konstruierten SMS Kegelradgetriebe KL in den Größen 1 und 2 verfügt Stöber jetzt über kompakt bauende Winkelantriebe. Was ist das Ziel dieser Entwicklung?


Das KL Getriebe ist ein klassischer Fall für eine marktgetriebene Entwicklung. Wir hatten in der Zeit „vor KL“ einfach keine passende Lösung in diesem Bereich, da unsere Produkte für viele Anwendungen bis dahin einfach überdimensioniert waren. Mit dem KL1 und KL2 haben wir diese Lücke geschlossen und können nun unseren Kunden beispielsweise in der Verpackungsindustrie qualitativ hochwertige und dennoch preiswerte Lösungen anbieten.

Welche Entwicklungsziele haben Sie sich in naher und ferner Zukunft gesetzt?

Wir werden in vielen Bereichen weitermachen wie bisher, da wir davon überzeugt sind damit unsere Kunden, die sich hauptsächlich im Premiumsegment befinden, auch in Zukunft mit intelligenten antriebstechnischen Lösungen versorgen zu dürfen. Es gibt aber natürlich auch bei uns Bereiche, zu denen immer wieder intern Überlegungen angestellt werden, sich in diesen noch breiter aufzustellen. Hierbei behalten wir jedoch immer im Auge, dass das Ganze für uns noch leistbar bleibt. Unsere Kunden sollen auch in Zukunft unsere Beratungskompetenz schätzen. Dies wollen wir nicht dadurch gefährden, dass wir unser Produktportfolio zu sehr „aufblasen“ und damit nicht mehr als „One-face-to-the-customer“ im sprichwörtlichen Sinne auftreten zu können.

Folgt jetzt bald der Durchbruch zur Steuerungstechnik?


Hierzu werden Sie von mir zum jetzigen Zeitpunkt keine konkrete Aussage zu hören bekommen außer, dass ich Sie noch einmal auf meine Antwort unter Punkt 5. hinweisen möchte – es bleibt spannend!

Um Steuerungen und Antriebstechnik zu koppeln, haben sie für Ihre Feldbuskommunikation einige Entscheidungen getroffen. Wie lauten diese und warum haben Sie sich dafür entschieden?

Was Ethernet basierte Busse angeht haben wir uns ganz klar auf EtherCAT festgelegt. Wir haben mit diesem Bus bisher sehr gute Erfahrungen gemacht und erkennen auch eine hohe Akzeptanz am Markt. Als Nachfolger für PROFIBUS DP setzen wir natürlich auch auf PROFINET IRT. Natürlich gibt es auch noch weitere für uns interessante Busse, aber auch hier gilt meine Aussage: Wir werden auch in Zukunft darauf achten unsere Kompetenz nicht überzustrapazieren. Es gibt sicherlich Anbieter, die in diesem Bereich noch mehr anbieten als wir, aber ein hochwertiges Getriebe im Premiumsegment zu bauen und dieses in perfekter Kombination mit ebenso qualitativ hochwertigen Motoren und Elektronik anzubieten kann kaum einer – außer Stöber!
 

Was planen Sie zur SPS/IPC/DRIVES?

Wir werden auf der SPS/IPC/DRIVES erstmals die komplette Reihe unserer neuen Servomotoren mit all ihren oben erwähnten Ausprägungen präsentieren. Außerdem gibt es natürlich wieder – wie man es in den letzten Jahren von uns gewöhnt war – ein interessantes Messemodell, das unsere Antriebstechnik „in Action“ zeigt. Ich würde mich freuen Ihnen unseren Stand in Nürnberg etwas genauer zeigen zu dürfen.

Die Fragen stellte Peter Schäfer


www.stoeber.de

 

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