
„Es ist unvorstellbar, was derzeit am Mark vorgeht. Große Unternehmen schreiben uns an und wollen 15 bis 20% Konjunkturrabatt. Oder man wird von Kunden zu Gesprächen eingeladen, Thema ist dann wieder der Konjunkturrabatt – rückgerechnet auf das gesamte Jahr vor Oktober – versteht sich. Das obwohl ihr Umsatzvolumen viel geringer als sonst war. Das Wort Konjunkturrabatt gibt es gar nicht, es ist das Unwort des Jahres, das irgend ein Einkäufer erfunden hat.
Viele Unternehmen aus unserer Branche machen aus Deckungsbeitragsgründen ganz verrückte Sachen. Der Vertrieb redet nicht mehr über den Nutzen eines Produkts, sondern geht einfach im Preis um 20 % runter. Wenn er das im klassischen OEM-Seriengeschäft macht, dann bleibt der Preis bestehen.
Wenn Sie ihre Anzeigenpreise im Kampf um die letzten Budgets tief nach unten treiben, dann endet die Krise für Sie nicht in 2 bis 3 Jahren. Sie dauert dann 10 Jahre.“
Christian Wolf, Geschäftsführer der Hans Turck GmbH, auf der Turck-Pressekonferenz zur SPS/IPC/DRIVES.


Sparen um jeden Preis: Dieser Grundsatz gilt angesichts der aktuellen Krise in zu vielen Unternehmen. Denn oft reicht die Perspektive nur bis zum nächsten Quartalsbericht. Niemand kann die Wirtschaftsentwicklung und eventuell noch verborgene Risiken exakt vorhersagen. Doch die Zeichen für eine Stabilisierung mehren sich. Wer jetzt blindlings Kosten reduziert, spart sich zu Tode. Für uns heißt das: Auch wir überprüfen unsere Ausgaben. Trotzdem investieren wir im selben Rahmen wie im Vorjahr. Das betrifft insbesondere neue Maschinen und eine ERP-Umstellung, um die Produktivität zu steigern. Außerdem verzichten wir auf einen Einstellungsstopp. Denn qualifizierte, gut ausgebildete Fachkräfte sichern unsere Zukunft. Jammern hilft nicht! Was wir brauchen, ist persönliche Verantwortung verbunden mit langfristigem unternehmerischem Engagement, wie dies in inhabergeführten Unternehmen eigentlich selbstverständlich ist.
Hartmut Hänchen ist geschäftsführender Gesellschafter der auf die Entwicklung und Produktion von Hydraulik-Zylindern und -Antriebslösungen spezialisierten Herbert Hänchen GmbH & Co. KG.


Die meisten deutschen Maschinenbauer werden aus dieser aktuellen Krise gestärkt hervorgehen. Wer in den letzten Jahren seine Hausaufgaben gemacht und gut gewirtschaftet hat – also beispielsweise die Eigenkapitalquote des Unter-nehmens gestärkt hat – wird die vor uns liegende Durststrecke gut überwinden können.
Unter Druck steigt die Kreativität und deutsche Maschinen-bauer sind bekannt für ihre Innovationsfähigkeit. Viele Unternehmen werden die Zeit nutzen, mit neuen Ideen ihre Technologieführerschaft weiter auszubauen.
Jene Maschinenbauer, die bei der Umsetzung konsequent auf modulare Produktkonzepte setzen und das Variantenmanagement in der Wertschöpfungskette beherrschen, sind in der Lage, komplexe Lösungen – beispielsweise im Son-dermaschinenbau - auch für kleinste Losgrößen bis hin zu Einzelanfertigungen mit Hilfe der hervorragenden Facharbeiterbasis technisch auf hohem Niveau wirtschaftlich herzustellen.
Trotz und wegen der Krise wird der deutsche Maschinenbau auch zukünftig im internationalen Wettbewerb weiter bestehen.


Thomas Becker ist Geschäftsführer der Bonfiglioli Deutschland GmbH
Das Ausbaden der Fehler, die bei Übernahmen von Unternehmen durch andere gemacht werden, ist keine Angelegenheit des Staats. Der Steuerzahler sollte die Rechnung für solche gigantischen Fehlkalkulationen nicht übernehmen. Ich vertrete mit Bonfiglioli Deutschland ein mittelständisches Unternehmen und bin Teil von Bonfiglioli SPA – also einer AG. Wir sind als mittelständisches Unternehmen wie alle anderen auf uns selbst gestellt. Denn weder in Italien noch in Deutschland würde jemals solch eine Unterstützung für einen Mittelständler überlegt werden. Im Gegenteil: Wenn heute ein mittelständisches Unternehmen von seiner Bank eine Finanzierung einfordert, erhält es die Auskunft: Die Bank müsse erst „Marge“ machen, und außerdem sei die wirtschaftliche Lage zur Zeit sehr schwierig. In einer Marktwirtschaft sollte jeder Verantwortung für sein Handeln tragen. Wer momentan bei der Finanzierung von Übernahmen Probleme hat beweist, wie gewaltig sie sich hier verrechnet haben.
In aktuellen Fällen müssen die Käufer den Aktionären der gekauften Unternehmen ein Mehrfaches des aktuellen Marktwertes der Aktien zahlen, denn die Verpflichtungen wurden unterschrieben, bevor die Börsenkurse nach unten fielen – und die Banken haben jetzt keinen realen Gegenwert. Deshalb sind Banken ohne weitere Sicherheiten nicht bereit, diese Deals zu finanzieren. Jetzt wird der Staat zur Notrufzentrale, und wenn er einspringt, zahlen wir, die Steuerzahler für Spielschulden.
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