
Mechatronik ist keine neue Disziplin, sondern eine andere Denk- und Handlungsweise. Immer mehr Produkte und Dienstleistungen werden komplexer, auch aufgrund von Forderungen wie bedienerfreundlicher, zuverlässiger, kleiner, leichter und billiger. Diese Wiedersprüche gilt es durch „intelligente“ und interdisziplinäre Lösungen aufzulösen. Dazu muss mechatronisch, also mit ganzheitlichem Ansatz gedacht und entwickelt werden. Mechanik, Elektronik und Informatik lassen sich nicht mehr getrennt entwickeln und dann einfach zusammenfügen. Die Mechatronik der Zukunft ist das optimale interdisziplinäre Zusammenspiel aller beteiligten Fachdisziplinen zur „mechatronischen Einheit" und somit letztlich die räumliche und funktionale Integration von Systemen". Mechatronische Systeme der Zukunft sind „Assistenten“ des Menschen, die schützen, helfen, unterstützen, warnen, assistieren, mit dem Menschen kooperieren oder autark Arbeiten für ihn verrichten.


Prof. Dr.-Ing. Birgit Vogel-Heuser leitet das itm an der TU München
Mechatronik als interdisziplinäre Herausforderung setzt das Denken im Gesamtsystem voraus, wie das Systems Engineering und nicht nur das Optimieren der eigenen Fachsicht. Bei den Engineering-Werkzeugen (CAD, CAE, Software etc.), die häufig nur eine, maximal zwei Sichten des Gesamtsystems betrachten, müssen die verschiedenen Sichten noch besser integriert bzw. verlinkt werden.
Schlüsselaspekte sind dabei das Varianten- und Versionsmanagement über die verschiedenen Disziplinen hinweg und das auch entlang des gesamten Lebenszyklus eines mechatronischen Produkts und einer mechatronischen Produktionsanlage, das ist genau die Herausforderung in der Forschung, der ich mich stelle.


Markus Pfuderer ist Geschäftsführer der Pfuderer GmbH
Ich sehe in dem gewerkeübergreifenden, mechatronischen Denken ungeahnte Optimierungspotenziale für Komponenten, Maschinen und Anlagen.
Folgerichtig streben wir eine Mechatronik, mit der Querverbindung von Mechanik, Hardware, Software und Visualisierung in der Montage- sowie der Prozessautomation an.
Als logische Konsequenz setzen wir konsequent auf die Entwicklung funktionaler, mechatronischer Module für die Automation – mit ihnen steigern wir für unsere Kunden die Planungssicherheit, reduzieren Kosten und optimieren Projektlaufzeiten.


Mechatronik in drei Sätzen
Wenn Maschinenbau und Fertigungstechnik die Potenziale der Mechatronik richtig nutzen, kann dies zur Triebfeder für eine Konjunktur werden. Beherrscht man den mechatronischen Prozess, so entstehen Effizienzsprünge durch innovative Konstruktionsprinzipien. Harmonisiert mit Zukunftstechnologien wie der Nano- und Piezotechnik, alternativen Werkstoffen sowie der Miniaturisierung entstehen Maschinen, die die Synergien der drei Disziplinen konsequent ausnutzen – Mechanik, Elektronik und Software- inklusive der Tendenz für mehr Energieeffizienz.
Als Wegbereiter der mechatronischen Integration gibt Festo Impulse mit Komponenten der Steuerungstechnik, Sensorik, elektrischen Antrieben, Pneumatik und Software. In der Biomechatronik erprobt Festo mit dem Bionic Learning Network neue Ansätze für die Steuerung und Regelung autonomer bionischer Systeme bis hin zu Smart System Integration und dem Einsatz modernster Kommunikationstechnologien.


Herr Professor Hirzinger, wie würden Sie Mechatronik in drei Sätzen definieren?
Prof. Dr.-Ing. Gerd Hirzinger, Direktor des DLR-Instituts für Robotik und Mechatronik in Oberpfaffenhofen mit dem Roboter-Torso „Justin“.
